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Evangelische Taufe: Ablauf, Voraussetzung & Bedeutung

„Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.“

So heißt es im sogenannten Kinder-Evangelium. Eine Taufe ist ein wunderschönes und einzigartiges Fest. Doch im Trubel der Vorbereitungen zur Tauf-Feier tritt der eigentliche Sinn dieser Zeremonie oftmals in den Hintergrund.

Woher kamen ursprünglich die Rituale der Taufe, und welche Bedeutung haben sie für die Christen? Wir beantworten diese und weitere Fragen und stellen im Folgenden Hintergründe zur evangelischen Taufe vor.

Evangelische Kirche

Bedeutung der Taufe im evangelischen Glauben

Die Taufe eines Kindes steht als Sinnbild für die Aufnahme eines Menschen in eine christliche Glaubensgemeinschaft. Die Evangelisten Markus, Lukas und Matthäus erzählen uns, dass Jesus sich von Johannes – genannt „der Täufer“ – im Jordan taufen ließ. Dieses Ereignis war für Jesus von Nazareth von einschneidender Bedeutung. Nach seinen Worten empfing er mit seiner Taufe den Heiligen Geist, der für die Verbindung zwischen Gott und den Menschen steht. Später beauftragte er seine Jünger: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Bedeutung der Taufe: Du gehörst zu uns

Als Erinnerung an die Taufe Jesu wurde der Akt des Taufens als Symbol für die Zugehörigkeit zur Kirche von den Christen übernommen. Der Evangelist Markus sah darin die Vergebung der Sünden. Sünde bedeutet hier die bewusste Abwendung von einem Leben mit Gott. Die Getauften werden frei von Sünde, das heißt: sie sind wieder mit Gott vereint. Die Taufe ist auch als Ausdruck der Liebe Gottes zu den Menschen zu verstehen.

Ablauf eines Tauf-Gottesdienstes

Die meisten evangelischen Kirchengemeinden bieten zwei Möglichkeiten zur Taufe an: Sie können Ihr Kind entweder im Rahmen eines regulären Sonntagsgottesdienstes taufen lassen oder hierfür einen separaten Gottesdienst in Anspruch nehmen.

Früher wurden Kinder gerne in der Osternacht oder an einem der beiden Weihnachtsfeiertage getauft. Dies sind besondere Tage, die an die Auferstehung, beziehungsweise an die Geburt Jesu erinnern sollen. Daher haben sie einen großen Symbolgehalt und tragen eine Hoffnung mit sich, die man einem Neugeborenen mit auf den Lebensweg geben möchte.
Eine Tauf-Zeremonie beginnt mit der sogenannten Tauf-Frage. Als Eltern und Paten erklären Sie Ihre Bereitschaft, das Kind an den christlichen Glauben heranzuführen und ihm dessen Wesen zu vermitteln.

Die Taufe selbst besteht im wesentlichen aus zwei Bestandteilen.

  1. Der erste ist der Taufspruch, den die Eltern für ihr Kind auswählen und auf den sich die Predigt zum Gottesdienst bezieht.
  2. Den zweiten Bestandteil stellt das Wasser dar, das als eines der Naturelemente als Symbol für das Leben und die Reinheit (von der Sünde) steht. Für den Akt der Taufe wird der Täufling drei Mal am Hinterkopf mit geweihtem Wasser begossen.

Im Anschluss an die Handlung des Taufens steht das gemeinsame christliche Glaubensbekenntnis.

Über diese „Grundbausteine“ hinaus können Sie als Familie des Täuflings auch noch eigene, persönliche Gestaltungselemente in die Tauf-Feier mit einbringen.

Wann wird getauft?

Zum Zeitpunkt der Taufe gibt es keine genauen Vorschriften und auch keine Altersvorgaben.

  • Üblicherweise werden Kinder innerhalb ihres ersten Lebensjahres getauft. Bis zur Vollendung des 15. Lebensjahres spricht man von einer Kindertaufe.
  • Es gibt aber auch Taufen im Erwachsenenalter, hier verwendet man den Begriff der Erwachsenentaufe.

Mit der Konfirmation bekräftigen die jungen Christen ihr Bekenntnis zum Glauben noch einmal aus ihrem eigenen Willen.

Welche Dokumente werden für die Taufe benötigt?

Der Anmeldung zur Taufe bei der zuständigen Kirchengemeinde folgt in aller Regel immer ein Taufgespräch mit dem jeweiligen Pfarrer oder der Pfarrerin.

Vorzulegen sind normalerweise immer die Geburtsurkunde des zu taufenden Kindes, sowie die Personalausweise oder Reisepässe der Eltern. Viele Kirchenämter verlangen zudem von den Taufpaten eine Bescheinigung über deren Zugehörigkeit zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft.

Aus den heute oft sehr unterschiedlichen Konstellationen für Täuflinge und deren Familien heraus können manchmal auch noch andere Unterlagen nötig sein. Dies wird aber meist im Rahmen des Taufgesprächs geklärt.

Beliebte Taufsprüche

Wenn Ihnen die Wahl eines geeigneten Taufspruchs besonders schwer fällt oder Sie zu denen gehören, die auf Ihre Intuition vertrauen: Legen Sie eine Bibel vor sich auf den Tisch. Denken Sie an das zu taufende Kind und schlagen Sie das Buch an einer beliebigen Stelle auf. Haben Sie einen schönen Spruch gelesen? Wenn nicht, wiederholen Sie das Ganze einfach, bis Sie einen passenden Bibelspruch gefunden haben. Lesen Sie auch:

Es gibt natürlich auch „Hitlisten“ mit Versen oder Zitaten aus der Bibel, die als Taufsprüche besonders beliebt sind. Wir haben eine solche Liste für Sie zusammengestellt.

  • „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (1. Timotheus 1,7)
  • „Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.“ (1. Mose 12,2)
  • „Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.“ (Psalm 121,7)
  • „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“ (Psalm 139,5)
  • „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch!“ (1. Johannes 3,1)
  • „Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)
  • „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29,11)
  • „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ (Römer 8,28)
  • „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ (Jesaja 41,10)

Welche Konfession müssen die Eltern haben?

Häufig ist es noch so, dass beide Elternteile derselben Glaubensgemeinschaft angehören – dann übernimmt das Kind natürlich die Konfession der Eltern. Die Taufe eines Kindes ist auch dann möglich, wenn ein Elternteil keine Konfession hat oder aus der Kirche ausgetreten ist. Das Kind wird in diesem Fall entsprechend dem Glauben des anderen Elternteils getauft.

Letztendlich kann man sagen, dass eine Taufe immer möglich ist. Die Eltern des Kindes können aus der Kirche ausgetreten sein oder auch unterschiedlichen Konfessionen angehören.

Gehören die Eltern verschiedenen Religionsgemeinschaften an – etwa katholisch und evangelisch – müssen sie sich entscheiden, nach welcher sie ihr Kind taufen möchten. Ökumenische Taufen sind nicht möglich, da ein Kind später in einer bestimmten Religionsgemeinschaft eingetragen sein muss.

Übrigens: die Taufe ist eine einmalige und unwiderrufliche Handlung. Wer als Christ getauft wurde, bleibt dies sein ganzes Leben – selbst, wenn er aus der Kirche austritt.

Wer kann Taufpate werden?

Zur Frage, wer ein Paten-Amt übernehmen darf und wer nicht, hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) einige Richtlinien herausgegeben. Sie gelten in der Regel für alle Kirchengemeinden.

  • Ein Paten-Amt übernehmen kann jeder, der einer christlichen Kirche angehört und konfirmiert (für evangelische Paten) oder gefirmt (bei katholischen Paten) ist.
  • In einigen Kirchengemeinden ist es üblich, mindestens zwei Taufpaten eintragen zu lassen. Hier wird manchmal verlangt, dass einer der beiden Paten evangelisch sein muss.
  • Falls beide Elternteile des Täuflings nicht Mitglieder der Evangelischen Kirche sind, muss zumindest einer der Paten der evangelischen Kirche angehören.
  • Wenn es Ihnen als Eltern nicht möglich ist, einen Paten zu benennen, können Sie beim Taufgespräch Ihren zuständigen Seelsorger darauf ansprechen. Sie oder er werden sich darum kümmern, dass ein Mitglied der Kirchengemeinde dieses Amt übernimmt.

Konfessionslose oder Personen, die aus der Kirche ausgetreten sind, können keine Paten-Ämter übernehmen. Meistens ist es aber möglich, auch Paten mit einzubeziehen, die keiner christlichen Kirche angehören.

Sakrament – was bedeutet das?

In der evangelischen Kirche gibt es zwei Sakramente: die Taufe und das Abendmahl. Als Sakramente bezeichnet man symbolhafte Handlungen, in denen sich für die Gläubigen ihre Verbindung zum Himmlischen offenbart.

Während die katholische Kirche sieben Sakramente vorsieht, glauben die evangelischen Christen, dass nur die Taufe und das Abendmahl unmittelbar auf Christus zurückgehen. Im katholischen Glauben gibt es diese Sakramente:

  1. Taufe
  2. Firmung
  3. Eucharistie (Abendmahl)
  4. Ehe
  5. Buße
  6. Krankensalbung
  7. Weihe (zum Diakon, Priester oder Bischof)

Unterschiede katholische und evangelische Taufe?

Taufen werden heute allgemein nicht mehr streng zeremoniell abgehalten. So müssen Sie Ihrem Täufling beispielsweise nicht unbedingt ein weißes Taufkleid anziehen, wie es in früheren Zeiten üblich war. Allerdings besinnt man sich mittlerweile auch wieder traditioneller Elemente, da sie einem besonderen Anlass wie der Taufe einen festlichen Glanz verleihen.

Dennoch folgt die katholische Taufe im Kern einem Ablauf, der sich an bestimmten rituellen Vorgaben orientiert.

Häufige Rituale sind:

  • Bestimmte Bibelstellen, die zu jeder Taufe vorgelesen werden
  • Lesung von Fürbitten
  • Segnung des Taufkindes durch ein Kreuzzeichen auf der Stirn
  • Anrufung entsprechender Heiliger
  • Gebete zum Schutz des Täuflings vor dem Bösen

Die evangelischen Christen sind in der Gestaltung der Tauf-Feier grundsätzlich etwas freier. Vieles hängt vor allem vom Geschmack der Pfarrerin oder des Pfarrers ab. Auch Eltern, Paten und Familienangehörige werden stärker in die Tauf-Zeremonie eingebunden und können persönliche Wünsche einfließen lassen.

Beiden Kirchen gemeinsam ist jedoch das Begießen des zu Taufenden mit geweihtem Wasser. Den Abschluss der Zeremonie bildet immer das gemeinsam gesprochene Glaubensbekenntnis.


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